Herstellung
Die
Holunderblüten werden an speziellen Blütentagen, an dem sie ihren
Duft voll enfalten, gepflückt. Da die Blüten jedes Holunderbusches
anders duften, ist jedesmal eine Riechprobe angesagt. Es gibt bisweilen sehr
streng riechende Holunderbüsche. Ihre Blüten landen nicht im Korb.
Bevorzugte Standorte meiner Wildsammlung sind Dorfränder mit angrenzenden
Streuobstwiesen, an Wiesen gelegene Waldränder sowie Sturmholz- oder Rodungsflächen
im Wald, wo sich der Holunder als Pionierpflanze breitmacht.
Die
in Weidenkörben gesammelten Blüten werden in einem Edelstahlbehälter
mit Zucker, Wasser, Zitronensäure und Zitronensaft angesetzt. Nach einiger Zeit fülle ich
den angegorenen Holunderblütensaft in Champagnerflaschen ab. Mit einem
speziell dafür hergestellten Gerät drücke ich den Plastikkorken
auf die Flasche und drähtle den Metallbügel mit einem Driller zu.
In der Flaschengärung reift der Holunderzauber aus. Bereits sechs bis acht
Wochen später kann das erfrischende Perlgetränk serviert werden. In
den Anfangszeiten hat der Holunderzauber noch 1,5 Prozent Alkoholvolumen. Da
die Holunderzauber-Flaschen in einem kühlen alten Brauerreikeller lagern,
ist das Perlgetränk erst im Oktober voll durchgegoren und hat dann zwischen
2 und 2,5 Prozent Alkoholvolumen.
Der klare bzw. degorgierte Holunderzauber
Erst ab Mitte September, wenn der Blütensekt durch die Flaschengärung fast vollständig vergoren ist, kann man ihn degorgieren, das heißt nach dem Champagnerverfahren filtern. Zuerst werden die Flaschen in dem alten Brauereikeller vier bis sechs Wochen lang gerüttelt: Die Flaschen werden per Hand mit dem Flaschenhals nach unten jeden Tag ein bis zweimal gedreht, damit sich der Blütenstaub beziehungsweise die Trübstoffe im Flaschenhals ansammeln.
In
der Sektkellerei Kühner in Heilbronn wird der Holunderzauber degorgiert:
Der Flaschenhals wird in einer 99 prozentigen Alkohollösung auf 22 Grad
Celsius runtergekühlt, kurz in ein warmes Wasserbad getaucht und wenn dann
der Korken geöffnet wird, schießt der vereiste Pfropfen mit den Trübstoffen
von alleine aus dem Flaschenhals. Die fehlenden Tropfen im Flaschenhals werden
mit vergorenem Holunderblütensaft aufgefüllt, mit Naturkorken verschlossen
und einer Manchette bedeckt.

